- Tages- und Begegnungsstätte Quab
- Begrüßung durch Bürgermeister Fricke
- Stefanie Akwa, Paritätischer Niedersachsen
- Ramona Hachtmeister, Leitung Quab
- Henning Fricke, Bürgermeister
- Jan Kruse, Geschäftsführer GESO
Ja, das Quab feiert 2026 sein 25 jähriges Jubiläum. Gefeiert wird in der Tagesstätte ‚Quab‘, einer Einrichtung der Eingliederungshilfe. Mit vielen Gästen und einigen Reden. Also ein ganz normales Jubiläumsfest einer Einrichtung. Für mich, der ich vor 25 Jahren mit dem Entstehen des Ortes und der Einrichtung maßgeblich zu tun hatte, stellte sich heute eine weitergehende Frage: Was zeigt sich in dem Fest heute davon, was dieser Ort inzwischen geworden ist? Die Frage klingt etwas kompliziert, und das hat den Grund, das es für mich im Alltag meiner Arbeit in der GESO nicht leicht war eine Art ‚Entwicklungssubstanz‘ der letzten 25 Jahre wirklich wahrzunehmen, weil man in diesen 25 Jahren meist mit ganz alltäglichen Problemen und Sorgen beschäftigt war. Und auch das Sprechen in unseren Gesellschaftergesprächen über das ‚Quab‘ ist meist von solchen Perspektiven geprägt. Dieser Beitrag ist ein Versuch einer Antwort, denn die internen Perspektiven würde ich hier natürlich nicht veröffentlichen wollen. Heute, und das mag eine Illusion sein, hatte ich den Eindruck, das in einem solchen Feier-Geschehen ein gewisse Zeitverdichtung der 25 Jahre (für mich) zu erleben war. Mit Zeitverdichtung oder auch Zeitsubstanz ist gemeint, das in das aktuelle Geschehen sich die gesamte Zeit der 25 Jahre wie eingewoben hat. Deshalb ist mein Eindruck von heute auch ein besonderes Erleben, das sich neben die gewöhnliche all-tägliche Wahrnehmung der all-täglichen Probleme und Sorgen stellt, ohne diese damit relativieren zu wollen.
Ein erstes interessantes Phänomen ist, dass ich im Vorfeld Widerstände gegen die Veranstaltung gespürt habe, ich merkte daran, das ist ernst. Für mich ist das ja immer auch Konfrontation mit mir selbst und mit meiner Biografie, denn ich habe ja die letzten 26 Jahre an der Entwicklung der unterschiedlichen Ort mitgearbeitet. Ich stecke in gewisser Weise mit meinem Leben und Wirken in diesem Ort mit seinen Menschen drin, ohne dass man das ganz konkret differenzieren könnte von den Beiträgen der vielen Menschen, die ebenfalls mit ihrem Leben aktiv oder passiv zu dieser Entwicklung beigetragen haben. Gleichzeitig bin ich aber durch mein Ausscheiden aus der aktiven Arbeit jetzt auch ‚draußen‘ aus diesem ‚Leben‘. Es ist also eine Art Selbstbegegnung im Außen, die sich dort vollzieht. Eine Selbstbegegnung, die nicht leicht zu ertragen ist, weil das alte ‚Leben‘ einen auch tendenziell einerseits wieder zu sich hereinziehen will und andererseits auch abstößt.
Soviel zum inneren Vorlauf. Nun zum Ergebnis. Es klingt wieder etwas kompliziert, aber die eigentliche Spannung lag für mich darin, ob sich die Intention, die wir bei der Begründung hatten, heute wiederfinden lässt. Diese Intention war es nicht eine ‚Tagesstätte für Menschen mit psychischen Erkrankungen zu gründen, sondern einen ‚Kulturort‘, deshalb ‚Quab – Qultur und Arbeit und Begegnung. Die Einrichtungsform, als eine in der damaligen und heutigen Zeit mögliche, anerkannte und finanziell tragbare, sollte Werkzeug sein. Wir wollten aber darüber hinaus! Was heißt darüber hinaus? Man konnte auch heute wieder merken, dass die hybride Konstruktion zwischen gesetzlichen Ansprüchen auf Eingliederungshilfe mit Reha-Anspruch eigentlich eine Zwangskonstruktion ist, die nicht viel mit der Wirklichkeit der Menschen vor Ort zu tun hat, ja ihr teilweise sogar zuwiderläuft. Linda Schlottmann (vom Verband psychiatrischer Tagesstätte in Niedersachen) hat diesen Widerspruch deutlich formuliert: Immer mehr feinziselierte Bedarfsermittlung und Überprüfung von Wirksamkeit durch die Behörden. Dagegen das gemeinsame Leben und Entwickeln (ohne Druck) in der täglichen Lebenssituation am Ort, wie es die Menschen heute schilderten, die das Quab als Tagesstätte oder nachmittags als Begegnungsstätte nutzen.
- Gesprächsrunde mit Nutzerinnen
- Linda Schlottmann
Unsere damalige Intention, die in der Anfangszeit, damals auch noch weniger kontrolliert, alle formalen Konstruktionen aufheben konnte, sie war nicht nur unsere persönliche Intention, es war eine damals zeitlich real existierende Bewegung in diese Richtung hin Welt zu gestalten. Es gab auch damals schon Mitarbeiter und Teilnehmer, aber die gemeinsame Alltagsgestaltung und Bewältigung der Krisen und Probleme hat aus diesen ‚Rollen‘ reale Beziehungen gewirkt und damit auch reale Gemeinschaft. Für mich war das heute an dem Unterschied spürbar zwischen den Menschen, die ich seit Jahren mit Namen und Leben kennen und die mich kennen und den Menschen, die vielleicht Klient*innen der GESO sind, oder andere Gäste, die ich aber nicht kenne. Der Alltag als Professioneller oder Klient verstellt manchmal vielleicht die Tatsache, das man tatsächlich zusammenwächst als Menschen. Man kommt sich in dem anderen als man selbst entgegen.
Was allerdings heute in der knapp zweieinhalbstündigen Veranstaltung (für mich)zu erleben war, ist, das das, was 2001 tatsächlich noch mehr ein Ideal war, und damit auch ein manchmal etwas anstrengender Anspruch, sich über die Zeit ‚eingedampft‘ hat in eine etwas leichtere Form des Seins. Es ist ziemlich viel Überbau von einst aufgehoben in den realen Beziehungen der Menschen und in den entsprechenden Angeboten. Aber es sind doch tiefe und tragende Beziehungen für die Mitarbeiter*innen und Klient*innen und eine ganz besondere ‚künstliche‘ Form von Gemeinschaft. Künstlich, weil, man wäre sich im normalen Leben wahrscheinlich nie begegnet, oder wenn, man wäre aneinander vorbeigegangen. Die Menschen, die heute hier waren, haben sich so ausgedrückt, dass sie das miteinander hier brauchen und wollen. Die äußere Form ist dafür nur das Werkzeug, das manchmal das Zueinanderkommen unterstützt und manchmal stört.
Ein zweites Element der angesprochenen Wirklichkeit ist die Verbindung mit dem Ort selbst. Durch den Lebensvollzug dort, gemeinsam, aber auch individuell, verbinden sich die Menschen auch mit dem Ort. Exemplarisch konnte man das in einigen Bildern von Teilnehmern aus dem Atelier sehen, die das Haus des Quab in seiner ganz einfachen Signatur zeigen. Auch dieser Formaspekt ist wichtig! Ebenso wichtig ist die (für das Jubiläum) erfolgte Renovierung des Hauses und die Umnutzung der Räume. Dadurch kommt der Ort auch sich zu Bewusstsein und entreißt sich zumindest partiell dem alltäglichen Lebenstraum.
Ich bin selbst gar nicht der Typ für Feiern und Jubiläen. Aber heute wurde mir deutlich, dass sich, wenn es gut geht, und nichts zu sehr konstruiert ist, in solchen Feiern tatsächlich eine Entwicklungssubstanz zeigen kann, sehr latent einerseits und doch auch deutlich, wenn man sie wahrzunehmen weiß. Dafür vielen Dank!
Roland Wiese 9.10.2026
P.S.
Für die, die nicht wissen was der Kulturort ‚Quab‘ ist und was dort stattfindet:

Der Ort liegt in Zeven, Auf dem Quabben 14, und ist ein alter Resthof, der 2000 vom Umkreis e.V. erworben und umgebaut wurde. 2001 wurde die Tagesstätte und die Begegnungsstätte eröffnet und es entstanden Wohnungen für Menschen mit Beeinträchtigungen und das Büro des ambulanten betreuten Wohnens im Wohnhaus. Dort wohnen heute 3 Menschen. Das Büro ist das Büro der Geschäftsleitung. In der Tagesstätte können 20 Teilnehmer*innen den Tag gestalten. Die Begegnungsstätte bietet offene Cafes und Ateliers an. Außerdem finden hier Veranstaltungen statt, Lesungen, Trialog usw.












